Freitag, 2. März 2012

Laufen lernen

In ein Land zu gehen, dessen Gewohnheiten man noch nicht kennt, dessen Sprache man (noch) nicht gut spricht und dessen Kultur vielleicht Anknüpfungspunkte an die eigene hat, sich aber auch sehr von ihr unterscheidet, ist wie laufen lernen. Zunächst zaghafte Schritte, vorsichtig, schwankend, gelegentlich aus dem Gleichgewicht geratend, du hast noch keine Orientierung im Raum und weißt nicht, was du tust und wie es geht.
Dann gewinnst du langsam an Sicherheit, findest Punkte, an die du dich halten kannst, beginnst langsam, ganz langsam zu verstehen, was dich umgibt. Vielleicht fällst du noch ein ums andere Mal hin, doch das Aufstehen wird von Mal zu Mal leichter.
Ich kann stehen und auch einige Schritte allein gehen. Es ist gut so. Zeit zu gehen. Wenn ich das nächste Mal herkomme, werde ich springen und tanzen lernen.

Montag, 23. Januar 2012

Maerkte

Perus Maerkte sind eine Sache fuer sich. Nicht ein paar Staende mit Obst, Gemuese, Brot und Kaese auf einem Platz, von dem die Haendler mitsamt ihrer Ware nach einigen  Stunden wieder verschwinden, sondern dauerhafte Einrichtungen. Riesige Hallen, in denen alles zu haben ist, was man fuer das taegliche Leben braucht und noch mehr: Obst und Gemuese in allen Sorten, Formen, Farben und Groessen, ganze Fische, Teile von Fischen, Huehner, lebend oder schon gerupft, anderes Fleisch, saeckeweise Reis, Zucker, Trockenfruechte, Getreide, Schnuersenkel, Waschmittel, Hygieneartikel aller Art, Notizbuecher, Brot, Kuchen, Kekse, frische Saefte, Stoffe, Kleidung aller Art, Einrichtungsgegenstaende, Vorhaengeschloesser, Geburtstagskarten, Stifte... Zudem Dienstleistungen wie Schuheputzen, Schuhe reparieren, Kleidung umaendern...

Grosses Gedraenge herrscht eigentlich immer und von allen Seiten wird man mehr oder weniger aufdringlich zum Kaufen aufgefordet, waehrend ein fliegender Haendler im Vorbeieilen seine eigene Ware anpreist.

Hinter Staenden stehend oder auf dem Boden hinter beachtlichen Bergen von Zwiebeln, Kartoffeln oder sonstigem sitzend, sich durch die Menge schiebend, die zum Kauf angebotenen Gueter mit sich tragend - es gibt mehr als einen Typ Haendler auf diesen Maerkten. Von Einheitlichkeit oder einem Ordnungsprinzip - welcher Art auch immer - ist keine Spur zu sehen.

Die Farben variieren je nach Region. In etwas entlegeneren Bergdoerfern ist mindestens die Haelfte der Anwesenden in traditionelle Trachten gekleidet, ein buntes Gemisch von Stoffen und Mustern. In Lima hingegen ist dies eher selten. Man kleidet sich "westlich" in Hemd und Hose, T-Shirts und Jeans und das soziale Gefaelle ist deutlicher sichtbar. Auf den Maerkten kauft nicht nur die aermere laendliche Bevoelkerung ein, hier kommt Peru zusammen wie sonst selten. Es gibt zwar Supermaerkte, besonders in den grossen Staedten, aber das ist nicht dasselbe und noch haben sie die Vorherrschaft ueber kleine Laeden und die Maerkte nicht gewonnen.

Freitag, 30. Dezember 2011

Cusco

Cusco, die ehemalige Hauptstadt des Inkareiches, einst Mittelpunkt der Welt, wie ihr Name auf Quetschua es verheisst. Heute immerhin noch drittbedeutendste Stadt Perus - oder die zweitwichtigste nach Lima, darueber streitet man sich. Koloniale Bauten treffen hier auf die Architektur der Inka. Oft haben die Spanier nach ihrer Eroberung des Inkareiches einfach neue Gebaeude auf die Fundamente zerstoerter Haeuser gebaut. Und um der Bevoelkerung den Religionswechsel hin zum Katholizismus zu erleichtern und ihnen die neue Religion zugaenglich zu machen, wurden vielfach bekannte Elemente uebernommen. So kann man in der Kathedrale in Cusco beispielsweise ein Gemaelde des Letzten Abendmahls finden, auf dem Meerschwein aufgetischt wird.

Wenn man durch die Strassen laeuft, praegen Touristen das Stadtbild und ueberall werden den Reisenden - ob sie nun wollen oder nicht - Massagen, Restaurants und allerlei als Souvenir geeignete Dinge angeboten. Vom als aus Alpakawolle bestehend deklarierten Acrylpullover ueber Schmuck bis hin zu Flaschenoeffnern in Lamaform ist alles im Ueberfluss zu haben.

Im Vergleich zu Lima geht es hier - trotz der Touristenmassen - etwas ruhiger zu. Das mag auch an der Groesse der Stadt liegen. Vielleicht wird der Eindruck dadurch erzeugt, dass man die Stadt ueberblicken und ihre Enden, sowie die angrenzende Natur von fast allen Orten sehen kann. Man ist Cusco nicht so ausgeliefert wie Lima. Ein Entkommen waere leicht und schnell zu bewerkstelligen. Lima hingegen verfolgt einen auf dem Weg nach Sueden aus der Stadt heraus noch kilometer- und stundenlang.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Wasser

Obwohl Lima direkt am Meer liegt, wird die Stadt als Wüstenstadt bezeichnet - weil es hier nur äußerst selten regnet. Wüste, die ans Meer grenzt, den Anblick finde ich immer wieder erstaunlich.
Wasser spielt deshalb auch eine wichtige Rolle in Peru, besonders hier in Lima. Das Trinkwasser kommt aus den Anden; die Gletscher und Flüsse dienen als riesige Süßwasserspeicher. Angeblich verfügt Peru über 5 % der Süßwasserreserven der gesamten Erde. Doch das Klima erwärmt sich, die Gletscher schmelzen - langsam, aber nach wie vor ungebremst. Flüsse, die bislang nur während der Regenzeit eine bemerkenswerte Wassermenge führten, fließen jetzt das ganze Jahr hindurch. Manch einen freut das, doch kritischere Geister sehen darin Vorboten weiterer Veränderungen, die Stadt und Land nicht zum Vorteil gereichen dürften: Wenn die Gletscher einmal zum Meer geflossen sind, wird sich mit ihnen ein Großteil der Süßwasserreserven verflüchtigt haben.
Lima mag auf einer Steilküste errichtet sein, hoch über dem Meer, wo ein steigender Meerespiegel kein allzu großes Problem darstellt und allenfalls die Küstenstraßen überschwemmen würde, doch eine uneinnehmbare Festung ist die Metropole nicht.

Montag, 14. November 2011

Lima - Daten, Fakten und Gerüchte

Lima, die zweitgrößte Wüstenstadt der Welt, ein Alptraum aus Beton und Lärm. Lima, die Stadt, in der selbst bepflanzte Verkehrsinseln Parks genannt werden. Lima, die Stadt, in der Kakteen im Vorgarten wachsen. Lima, die Stadt, in der Rehe als Maskottchen auf dem Campus der Uni wohnen. In Hildesheim gibt es nur Enten.
Lima, die Stadt mit den meisten Verkehrstoten weltweit, angeblich. Ob das stimmt? Ich weiß es nicht, aber wundern würde es mich nicht. Lima, die Stadt, in der selbst das Überqueren der Straße zu einem Abenteuer wird und jede Busfahrt eine Expedition mit ungewissem Ausgang.
Lima, die Stadt, in der Werbebotschaften durch die Blume gesagt werden. Wortwörtlich, denn entlang der Via Expresa kann man in den Blumenbeeten am Straßenrand lesen, wie toll ein bestimmter Telefonanbieter ist.
Lima, die Stadt, in der Korruption angeblich zum Tagesgeschäft gehört. Man hört, dass auch Diplomaten angehalten und freundlich gebeten werden, mit dem Mittagessen der Polizisten zu kollaborieren.

Lima, die Stadt mit den 1000 Gesichtern. Du glaubst, du weißt wie Lima ist? Du brauchst nur eine Straße weiter zu gehen, um alles, was du scheinbar sicher wusstest, wieder in Frage zu stellen.